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Stadtökologischer Lehrpfad – Station Nr. 14
Kopfweiden am Kirchsteig

Entstehungsgeschichte

Die Weiden am Kirchsteig wurden um die Jahrhundertwende zwischen Tröglersricht und der Stadt Weiden gepflanzt. Sie stellten den Teilabschnitt einer Allee dar, die vor allem als Beschattung der Fußgänger auf dem Weg zur Kirche gedacht war. Daher kommt auch der Name "Kirchsteig".

Weitere Weidenalleen entstanden etwa zeitgleich am Turnerweg zwischen Spielvereinigungssportgelände und Hammerweg. Auch in neuerer Zeit wurden wieder Neupflanzungen vorgenommen, so z. B. am Verbindungsweg vom Volksfestplatz über den Flutkanal zur Max-Reger-Halle.

Kopfweiden wurden in früheren Zeiten vorwiegend aus ökonomischen Gründen kultiviert. Die Ruten dienten vor allem zur Korbflechterei. Je nach Verwendungszweck wurden die Bäume im 1 - 5jährigen Rhythmus (Umtriebszeit) geköpft. Dies war natürlich nur möglich durch das starke Austriebsvermögen der Weiden. Zwei Arten von Baumweiden sind bei uns häufig anzutreffen: die Silberweide (Salix alba) und die Knack- oder Bruchweide (Salix fragilis).

Städte ohne Bäume sind Städte ohne Jahreszeiten.
Anonymus

Die Weiden lieben grundwassernahe und nährstoffreiche Standorte, d. h. sie wurden in der Regel an den Ufern von Bächen, Flüssen und Seen gepflanzt. Weiden sind Gehölze der Auenlandschaften Mitteleuropas und gehören somit zu einer der ältesten Kulturbaumarten der Erde.

Durch das Köpfen der Weiden wurde neben der Gewinnung des Flechtmaterials erreicht, dass im Gegensatz zu anderen Bäumen der Schattenwurf der Kronen regelmäßig gering gehalten werden konnte, was von Seiten der Landwirtschaft erwünscht war. Die Nutzungsmöglichkeiten der Weiden für den Menschen waren nahezu unbegrenzt.


Ökologische Bedeutung von Kopfweiden

Weiden, wie auch andere Baumarten, stellen einen Wohnraum (Habitat) für viele Tierarten dar. Die Weide gehört dabei zu den insektenreichsten Baumarten Mitteleuropas - ca. 183 Tierarten je Baumteil, wie Stamm, Ruten, Triebspitzen, Blattknospen oder Blätter, leben auf ihr. Vor allem wenn die Bäume nicht direkt an Straßen und Wegen sondern in der freien Flur, am Bach oder in der Wiese stehen, werden sie von etlichen Vögeln wie Weidenmeise, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper etc. besucht. In den Aushöhlungen des weichen Stammholzes alter Weidenbäume finden wir Fledermäuse, die diese Höhlen sowohl als Unterschlupf als auch als Nistmöglichkeit für ihre Wochenstuben nutzen. Mäuse, Siebenschläfer, Marder und Iltis sind in den Baumhöhlen ebenfalls zu Hause.


Gefährdung der Kopfweidenbestände

- durch den Menschen:
  Viele Bäume wurden in den letzten Jahrzehnten, da sie nicht mehr wirtschaftlich interessant sind, beseitigt. Fast genauso verheerend wirkt sich auf Kopfbäume jedoch die Unterlassung regelmäßiger Pflege aus, da die Bäume kopflastig werden und auseinanderbrechen. Die Verlegung von Gewässern, Straßen oder Leitungen stellt ebenfalls eine Gefährdung für die Bäume dar. Die Umwandlung von Wiesen in Ackerland durch Dränagen, das Umpflügen der Wurzeln und die einseitige Verstümmelung der Krone wegen des Schattenwurfs sind weitere Gründe für ihre Gefährdung.
In neuerer Zeit finden sich bedauerlicherweise zunehmend Schäden durch Vandalismus an etlichen Bäumen des Kirchsteigs.
- durch Tiere und Pilze:
  Vor allem von Pferden auf benachbarten Weiden werden die Bäume durch Rindenfraß zerstört. Pflegevernachlässigte Bäume, in erster Linie die Silberweide, werden das Opfer der Wasserzeichenkrankheit, einer Bakterienkrankheit.

 

Kulturhistorische Bedeutung der Weiden für die Stadt Weiden

Für unsere Stadt hat die Kopfweide als Wappenbaum eine ganz besondere Bedeutung. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass die Stadtverwaltung von Weiden durch ihre Stadtgärtnerei seit Jahren dafür sorgt, dass die Altbäume im Stadtgebiet regelmäßig fachgerecht gepflegt werden und damit erhalten bleiben.
Die Neupflanzungen von Weidenalleen in den letzten Jahren zeigen, dass unser Wappenbaum auch in Zukunft dem Bürger als eine Weidener Besonderheit präsentiert werden kann.

Wofür haben die Menschen früher Weiden gebraucht?

Nutzungsmöglichkeiten:
- der Bäume:
  Sonnen-, Wind- und Regenschutz für das Weidevieh.
  Befestigung der Fluss- und Bachufer durch stark verzweigtes Wurzelwerk.
  Verträglichkeit der Wurzeln gegenüber zeitweiser Überschwemmung ließ die Bepflanzung in Flussauen zu.
- der Ruten oder Reiser:
  im Fachwerkbau der Häuser als "Zwischenstreben" in der Gefachwand. An den Weidenreisern wurde der Lehm und das Holzhäcksel angebracht.
  Flechtzäune für das Tiergatter und für die Gärten als Einfriedung.
  als Brennholz sowohl zum Anheizen als auch als Feuerholz.
  Für die Korbmacherei. Die Silberweide wurde für grobe Flechtarbeiten, wie z.B. Kartoffelkörbe verwendet. Die Ruten der Bruchweide wurden wegen ihrer höheren Elastizität zu jeder Art von Gebrauchsgegenständen verarbeitet. (Körbe, Kinderwiegen und -wagen, Stühle, Sessel, aber auch Geschosskörbe für das Militär.

Um feinere Korbwaren, sog. Weißkorbwaren, herzustellen, wurden die 1 - 2jährigen Triebe vor dem Flechten geschält. Stiele für die Arbeitsgeräte (Schaufel, Rechen, Gabel etc.) wurden ebenfalls häufig aus Weide gefertigt, da das Holz sich durch geringes Gewicht, leichte Bearbeitbarkeit, Zähigkeit und angenehme Saugfähigkeit bei schweißtreibender Arbeit auszeichnete.

Verwendung fand das Weichholz auch als Weidenstangen im Fuhrbetrieb mit Pferden in der Landwirtschaft und bei der Armee, als Trockengestelle für das Heu und als Bohnenstangen. Schon seit dem Mittelalter wurde vor allem in den Niederlanden der Gebrauch von Senkmatten im Deichbau üblich. Die riesigen Matten aus Weidenholzstangen wurden mit Steinen beschwert, so dass sie zum Boden absanken und das Fundament des Deiches bildeten. Für den Küstenschutz wird das Weidenholz bis heute verwendet.

Das Weidenlaub war und ist bis heute ein beliebtes Grünfutter für Vieh, Hase und Kaninchen.
Auch als Heilpflanze dient die Weide von Alters her dem Menschen: Die Weidenrinde enthält Salicylalkohol. Hippokrates empfahl die Weidenrinde bereits vor 2400 Jahren gegen Rheuma.

Renate Löw, Simone Schaller

Zusammenfassung:

Die Kopfweide, der Wappenbaum der Stadt Weiden, wurde hier am Kirchsteig um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts als wegbegleitende Allee für Kirchgänger von Tröglersricht und dem Weidener Osten gepflanzt. Daher auch der Name "Kirchsteig".
In den früheren Jahren hatten die Bäume vor allem wirtschaftliche Bedeutung. Durch das "Köpfen" der austriebsstarken Bäume konnten regelmäßig Ruten gewonnen werden, die vielfältigste Verwendung fanden (Korbflechterei).
Alte Kopfweidenbäume besitzen einen hohen ökologischen Wert. Neben Vögeln (Weidenmeise) und Fledermäusen, die in Mitteleuropa nahezu alle im Bestand gefährdet sind, leben in, an und auf den Bäumen mehrere 100 Tierarten, Pilze, Moose etc.
Heute sind alte Kopfweidenbestände vor allem durch die fehlende Nutzung bzw. regelmäßig erforderliche Pflege (Köpfung) stark gefährdet.

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