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Stadtökologischer Lehrpfad – Station Nr. 03
Unterer Markt

Kernstück der Weidener Altstadt sind der Obere und der Untere Markt, die im Zuge der Stadterneuerung zu Fußgängerbereichen umgestaltet wurden. Dabei hat sich der Untere Markt zu einem innerstädtischen Erholungsraum entwickelt, der sowohl der Altstadtbevölkerung als auch den Handels- und Dienstleistungsbetrieben und ihren Besuchern zugute kommt. Seine räumliche Begrenzung erfährt der Untere Markt im Westen durch das Alte Rathaus, im Osten durch das Untere Tor. Den eigentlichen Straßen- bzw. Platzverlauf flankieren im Norden und Süden große giebelständige Ackerbürgerhäuser. Dem ehemaligen Verlauf des Stadtbaches folgen Baumreihen, die je nach Jahreszeit in unterschiedlicher Laubfärbung schattige Ruhemöglichkeit bieten. Der wassergebundene Sandbelag ist so strapazierfähig, dass weder der wöchentlich stattfindende Markt noch Bürgerfeste und zeitweise hohe Passantendichte der Oberfläche schaden. Insgesamt wurde ein öffentlicher Raum (wieder)geschaffen, der in seiner Aufenthaltsqualität beispielhaft ist und einen wertvollen Beitrag zur Stadtökologie leistet.

Geschichtliches:
Die Anlage des Stadtkerns mit Oberem und Unterem Markt erfolgte um 1300 als planmäßige, streng konzipierte Gründung: Von einem breiten Straßenmarkt gehen beiderseits Seitengassen ab. Die Giebelhäuser sind im Kern gotisch; nach den großen Stadtbränden 1536 und 1540 erfolgte ein zügiger Wiederaufbau, der den Bauten ein einheitliches Gepräge im Stil der Renaissance gab. Die Häuser sind zum großen Teil sog. „Ackerbürgerhäuser“, d. h. in früheren Zeiten lebten hier Handwerker in Familienbetrieben, die daneben eine kleine Landwirtschaft unterhielten. Die Aufteilung der Häuser in Vorder- und Rückgebäude lässt die damalige Nutzung mit Handwerksraum zur Gassenseite und Ställen hinten, darüber Wohnräume und Vorratsspeicher, noch erahnen. Nach dem 30jährigen Krieg waren die Handwerker in den südlichen Altstadtgassen teilweise Gerber, wegen der günstigen Nähe zum Wasser. Früher floss der Rehmühlbach durch das Rathaus, den Unteren Markt und die Untere Bachgasse. Er diente v. a. der Versorgung mit Lösch- und Brauchwasser. Heute markieren nur noch Baumreihen und Vertiefungen in der Pflasterung den ehemaligen Verlauf des Baches.

Flora und Fauna:
Einen weiteren Blickfang am Unteren Markt stellen sicherlich die Bäume dar. Zunächst an der nördlichen Seite eine Reihe von Kastanien, dann auf dem Sandstreifen in der Mitte des Platzes Lindenbäume. Diese Bäume verschaffen zu allen Jahreszeiten der Fußgängerzone erst das besondere Flair und geben außerdem an sonnigen Tagen angenehmen Schatten. Das Bild der Fußgängerzone wird in der warmen Jahreszeit auch immer wieder durch Blumentröge aufgelockert. An vielen Häuserwänden, auch in den Seitengassen, ranken sich Rosenstöcke empor. Des Weiteren sind - für den Besucher nicht sichtbar - viele Innenhöfe der alten Häuser wunderschön begrünt und bilden somit ökologische Inseln in der Altstadt.

Bei der Umgestaltung des Unteren Marktes zur Fußgängerzone wurden die geteerten Straßen und Parkplätze durch Kopfsteinpflaster aus Granit ersetzt; in der Mitte des Platzes zwischen den Bäumen erstreckt sich eine Sandfläche. Dadurch wird eine Reduzierung der versiegelten Fläche erreicht. Dies bewirkt durch Feuchtigkeitsspeicherung in den Fugen des Pflasters und vor allem im Sand eine Verbesserung des Kleinklimas in der Innenstadt. Den gleichen Effekt haben die Pflanzen, insbesondere die größeren Bäume.

Sogar Tiere finden sich hier in der Altstadt. Als erstes fallen dabei die Tauben auf, die in ihrer Vielzahl und vor allem durch die Verschmutzung der Gebäudefassaden zur Plage geworden sind. Die Stadt Weiden verzichtete auf das gezielte Töten oder Fangen der Tauben. Es wurden Hinweisschilder aufgestellt, die das Füttern der Vögel nicht erlauben, und vor allem wurden die Nistmöglichkeiten reduziert, indem Netze und Taubengitter an den Häusern angebracht wurden. So konnte man auch die Fassaden vor dem aggressiven Taubenkot schützen. Man hat den Eindruck, dass die Zahl der Tauben in den letzten Jahren rückläufig ist.

Ebenfalls kritisch gesehen werden auch die Steinmarder, die nachts - wohl bedingt durch die Nähe zum Park - durch die Gassen streifen. Mehr Begeisterung wecken da schon Fledermäuse, die in lauen Sommernächten nicht nur um die Kirchtürme, sondern auch in den Gassen und über den Marktplätzen beim Insektenfang zu beobachten sind.

Soziales:
1972 wurde mit der Planung der Altstadtsanierung begonnen, 1984 war die Umgestaltung zur Fußgängerzone abgeschlossen. Ziel war, die Altstadt als lebendiges historisches Dokument zu erhalten und die Attraktivität des Einkaufens in der Innenstadt zu steigern. Der Untere Markt bildet einen städtischen Lebensraum, überwiegend für Fußgänger, sozusagen einen innerstädtischen Erholungsraum. Der Platz findet hohe emotionale Akzeptanz bei der Bevölkerung ("gute Stube"). So trifft sich - vor allem an warmen Sommerabenden - hier Jung und Alt; die vielen Tische der Cafés und Kneipen im Freien sind dicht bevölkert. Man könnte geradezu von einer mediterranen Atmosphäre sprechen.

Wichtig ist für viele Bewohner auch der zweimal, mittwochs und samstags, stattfindende Wochenmarkt geworden. Er schafft eine Möglichkeit ungezwungener Kommunikation. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten ist dieser Markt sehr zu begrüßen. Die direkte Vermarktung durch in der Umgebung ansässige Erzeuger schafft kurze Transportwege. Der Verbraucher kann frische, qualitativ hochwertige, z. T. auch biologisch angebaute Lebensmittel wie Brot, Obst und Gemüse und auch Fleischwaren vom Anbieter seines Vertrauens wählen. Der Individualverkehr wurde weitgehend aus der Altstadt verbannt. Nur Anwohner und zu bestimmten Zeiten Lieferverkehr dürfen die Fußgängerzone befahren. Ein Kompromiss für den Parkplatzwunsch der motorisierten Bewohner wurde durch die Schaffung von Tiefgaragen erreicht.

Bei der Altstadtsanierung wurde das Wohnen durch Modernisierung der historischen Gebäude, aber auch durch Neubauten verbessert. Es wurde versucht, die kleinteilige historische Baustruktur zu erhalten, so die Beziehung von Vorder- und Rückgebäude der alten Ackerbürgerhäuser, oder auch teilweise bei Neubauten die alte Parzellierung zu erhalten. Dabei herrscht in der südlichen Altstadt eine Wohnnutzung vor - wegen der Nähe zu den Grünanlagen am Stadtmühlbach -, in der übrigen Altstadt eine gemischte Nutzung aus Geschäften, Gastronomiebetrieben und Wohnungen.

Die Sanierung bewirkte einen Zuwachs an hochwertigen Wohn- und Geschäftsflächen. Einige der gotischen Ackerbürgerhäuser wurden optimal saniert und entsprechen dennoch in hervorragender Weise den Nutzungsansprüchen ihrer Bewohner. Teilweise gab es jedoch auch Konflikte zwischen den Vorstellungen der Bauherren und dem Idealbild des Denkmalschutzes. So stellt das Bekleidungshaus am Unteren Markt einen Kompromiss dar zwischen der Forderung nach Belebung der Geschäftswelt und denkmalschützerischen Aspekten. Dieses Geschäft sollte als „Magnet“ für den Unteren Markt dienen, trotzdem musste gerade in den letzten Jahren eine Vielzahl meist kleinerer Läden schließen. Grund hierfür ist sicher eine Abwanderung der Kunden in Fach- und Grossmärkte am Stadtrand, die billiger sein können und Parkplätze vor der Türe anbieten. Auch die gastronomische Nutzung der Innenstadt bringt Nachteile mit sich, da sie, vor allem im Sommer, eine Lärmbelästigung für die Bewohner darstellen kann. So müssen immer wieder Kompromisse gesucht werden.

Sieglinde Plödt

Quellen und Links:
" 25 Jahre Stadterneuerung Weiden"
Gerhard Zückert: "Weiden - Wandlungen einer Stadt in der Oberpfalz"

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